New Work

New Work – Future of Work – oder einfach werteorientiertes Arbeiten

Geschrieben von Tatjana Utz-Erhardt

Ich persönlich bin kein Freund des Begriffes NEW Work. Denn was will er mir sagen? Es klingt für mich wie ein Bruch mit einer alten Welt, indem ich etwas „neu“ aufsetze. New Work ist kein Lichtschalter, den man von heute auf morgen bedient.

Im Prinzip geht es doch darum, den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel, den die Digitalisierung mit sich bringt, zu umschreiben. Es gibt aber nicht EINE New Work, sondern jedes Individuum, jede Firma und jedes politische Gremium muss für sich entscheiden, was verändert wird und wie sie sich durch diesen Dschungel begeben. Es gibt auch wunderbare „alte“ Prozesse, Methoden oder Themen, die für die „neue“ Arbeitswelt wichtig sind.

Wir alle befinden uns aktuell in einem Prozess der Transformation. Wenn wir ehrlich mit uns selbst sind, dann haben wir uns aber schon immer in Transformationsprozessen befunden. Der Unterschied heute ist jedoch die Geschwindigkeit. Veränderungszyklen sind kürzer, die Globalisierung ist da und wir müssen uns alle permanent mehr und mehr hinterfragen, uns selbst schneller auf neue Gegebenheiten einstellen und Veränderungen mitgehen, um nicht abgehängt zu werden.

New Work ist somit ein evolutionärer Vorgang und keine Revolution. New Work hat keinen Anfang und nie ein Ende. Das ist der Grund, warum ich diesen Begriff nicht mag. Aber unabhängig wie wir es benennen, wir befinden uns in dieser großen komplexen Veränderung mit all ihren Herausforderungen und Chancen.

Doch wie kann die Arbeit der Zukunft aussehen? Welche Trends gibt es aktuell und wie können wir die Wahrscheinlichkeit, auch morgen am Markt erfolgreich zu sein, erhöhen?

Netzwerkorganisationen

Die Zukunft der Arbeit liegt im Netzwerk. Diesen Satz bejahen immer mehr Menschen auf der Welt. Selbstbestimmt arbeiten, sinnhaft und sinnvoll arbeiten, arbeiten so, dass es zu mir, meinen Bedürfnissen und meiner Lebenssituation passt. Wie aber sehen die Netzwerkmodelle der Zukunft aus? Arbeiten im internen Unternehmensnetzwerk? Arbeiten in einem unabhängigen Netzwerk oder einfach in mehreren?

Abschaffung von Vollzeitstellen

Vielen Mitarbeitern kommt sehr entgegen, nicht mehr in einer Fünftagewoche, sondern vielleicht in einer vier- oder Dreitagewoche zu arbeiten. Flexibilität heißt hier das Stichwort. Jeder Mitarbeiter und jede Führungskraft legen selbst fest, wann sie wie lange arbeiten möchte. Private Situationen verändern sich. Familiengründung, Pflege der Eltern oder ein längerer Auslandsaufenthalt werden wichtiger. Auf all dieses Themen muss ein Arbeitgeber der Zukunft eingehen können.

Freies Arbeiten

Jeder legt selbst fest wann, wo und wieviel und zu welchem Gehalt er arbeiten möchte.

Das klingt banal, aber erfordert ein hohes Maß an Disziplin. Unternehmen, die ihre Urlaubsregelung frei gegeben haben, haben aber auch die Erfahrung gemacht, dass im Schnitt nicht wirklich mehr als 30 Tage genommen werden. Wie kann das sein?

Selbstbestimmte Organisationen haben eine hohe intrinsische Motivation. Durch die Freiheit, etwas selbst festlegen zu können, entsteht eine hohe Zufriedenheit. Durch die Zufriedenheit die Motivation und dadurch die Verbundenheit und das Pflichtbewusstsein und damit unterm Strich eine hohe Leistungsfähigkeit, welche dem Unternehmen zugutekommt.

Jedes Unternehmen muss die Organisationsform für sich finden, die zu ihm passt, hier waren ja auch nur einige Beispiele genannt. Es muss für sich überlegen, welche alten Werte und Themen weiterhin notwendig sind und wo Veränderungen gebraucht werden.

Der wichtigste Punkt in Transformationenprozessen ist immer:  WIE KANN ICH DIE MENSCHEN MITNEHMEN? Wie gelingt es mir, Betroffene zu Beteiligten zu machen?

Was sind die Werte in der heutigen Arbeitswelt?

Überall dort, wo es wirklich darum geht, den Menschen mitzunehmen, stelle ich die Bedürfnisse der Beteiligten in den Fokus. Das fängt beim Mitarbeiter und den Führungskräften an, beinhaltet aber auch zum Beispiel die Kunden. Wenn ich menschenzentriert arbeite, befasse ich mich mit deren Bedürfnissen und damit zwangsläufig auch mit deren Wertesystemen.

Schauen wir uns die Wertethemen einmal am Beispiel von Netzwerkarbeit an:

Ich komme aus dem Handel. Dort war es früher so, dass man seine Geschäfte per Handschlag getätigt hat. Das war vor der Zeit, in der man aufgrund von Compliance & Co. sämtliche Kleinigkeiten bürokratisch zu dokumentieren hatte. Das wichtigste hierbei ist jedoch die Bedeutung dieses Handschlags. Denn die Grundlage dafür ist Vertrauen!

Vertrauen, dass du mich nicht über den Tisch ziehst, Vertrauen, dass ich mich auf dein Wort verlassen kann und Vertrauen, dass du unsere Absprachen einhältst (und natürlich dasselbe Vertrauen von dir in mich).

Und so wie das damals im Handel üblich war, so zieht sich dieses Vertrauen auch heute noch durch das gesamte Geschäftsleben. Mal mehr und mal weniger ernst gemeint. Wenn man jedoch im Netzwerk arbeitet oder in einem Unternehmen, das mehr Freiheiten als andere gewährt, dann ist Vertrauen der oberste Wert. Ein Netzwerk z.B. besteht aus Geben und Nehmen. Und es ist schon üblich, dass man erst einmal mit dem Geben anfängt.

Welchen positiven Beitrag schafft die vertrauensvolle Zusammenarbeit im Netzwerk?

Die Arbeit soll Spaß machen, sie nimmt schließlich einen großen Teil des Lebens ein. Aus einmaligen Ideen kann durch die vertrauensvolle Zusammenarbeit im Netzwerk ein gemeinsames Gefüge entstehen, eine Lösung, an die zuvor keiner gedacht hat. Es wird dadurch multiple positive Energie freigesetzt, gitternetzartiges Denken entsteht, der Blick über den Tellerrand gelingt spielerisch.

Es bedeutet aber auch, wenn ich ja zu einem Netzwerk, zu einem Projekt oder zu einer Aufgabe sage, dann bin ich dabei. Dann bin ich verbindlich dabei.

Verbindlichkeit ist ebenso ein wichtiger Wert in einem Netzwerk. Termine sind verbindlich, Leistungen sind verbindlich und die Mitarbeit selbst natürlich auch. Wenn wir uns auf Augenhöhe begegnen wollen, muss jeder für sein Verhalten die Verantwortung tragen.

Wenn wir Vertrauen und Verbindlichkeit und die Bedürfnisse der Menschen in den Vordergrund stellen, dann wird das Netzwerk unaufhaltsam wachsen. Es entsteht ein imaginäres Großunternehmen, mit Konditionen für alle Netzwerker, die sie in einem realen Großunternehmen auch erhalten. Mit der Freiheit für jeden Einzelnen so zu arbeiten wie es in seine aktuelle Lebenssituation passt.

Die Arbeit im Netzwerk verlangt aber nicht nur Vertrauen und Verbindlichkeit. Sie verlangt auch ein sehr hohes Maß an Disziplin – vor allem an Selbstdisziplin. Ich kann nur Termine einhalten und Leistungen verbindlich erbringen, wenn ich selbst so organisiert bin, dass ich dem Vertrauen, das in mich gesetzt wird, gerecht werde. Ich muss strukturiert arbeiten, alle Termine im Fokus haben, mir alle meine Zusagen vor Augen halten und meine Prioritäten in der richtigen Art und Weise setzen.

Gerade aber, weil sich in der Netzwerkarbeit eine echte Work-Life-Integration entwickelt, ist es umso wichtiger auch auf sich selbst und sein Inneres zu hören. Ich darf nicht in die Falle tappen und nur noch arbeiten. Ich muss achtsam mit mir und meinen eigenen Ressourcen umgehen. Achtsamkeit findet nicht grundlos den Einzug in die Arbeitswelt.

Ein weiterer wichtiger Wert ist die Wertschätzung den anderen gegenüber, den Netzwerkpartnern, den Kollegen und den Kunden. Die Empathie ist auf dem Vormarsch und keiner wird in Zukunft mit Spezialisten zusammenarbeiten wollen, die ihre Nase gen Sonne richten. Beim Arbeiten im Netzwerk arbeiten wir auf Augenhöhe, respektieren und akzeptieren wir die anderen. Das bedeutet nicht, dass es in einem Netzwerk keine Kritik mehr gibt. Es gibt sie, aber sie wird wertschätzend geäußert. Gerade eine offene Fehlerkultur bringt jedes Individuum und jedes Unternehmen nach vorne. Aus Fehlern lernt man und entwickelt sich weiter.

Wenn ich nicht vertrauensvoll, verbindlich und gut organisiert bin, dann wird es passieren, dass ich meinen Ruf ruiniere und aus dem Netzwerk immer weniger Aufträge erhalte, selbst wenn ich der beste Spezialist auf meinem Gebiet bin.

Unter dem Strich bedeutet das: Die Werteorientierung reguliert das Netzwerk von ganz alleine.

Tatjana Utz-Erhardt
Tatjana Utz-Erhardt

Ist Geschäftsführerin bei nextexitfuture. Generalistin mit Schwerpunkt Veränderungsmanagement, Strategieberaterin, Coach für Hochbegabte / Hochsensible, langjährige Führungs- und Vorstandserfahrung

Möchten auch Sie von den Vorteilen unseres Netzwerks profitieren?

Ja, sehr gerne Nein, danke alleine funktioniert es besser
REGISTRIEREN LOGIN NETZWERK FIT FÜR DIE DSGVO?
Hiermit akzeptiere ich die Datenschutzbedingungen*

Allgemeine Erklärung:
Wir nehmen den Schutz Ihrer persönlichen Daten sehr ernst und halten uns strikt an die Regeln der Datenschutzgesetze. Personenbezogene Daten werden auf dieser Webseite nur im technisch notwendigen Umfang erhoben. In keinem Fall werden die erhobenen Daten verkauft oder aus anderen Gründen an Dritte weitergegeben.