Sabbatical – So profitieren auch die Arbeitgeber

Geschrieben von Tatjana Erhardt

Weltreise, Hausbau, Yoga-Ausbildung oder soziales Engagement: Zeit um Träume zu verwirklichen, das wünschen sich immer mehr Arbeitnehmer. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK waren es 2013 bereits 57 Prozent – Tendenz steigend. Allerdings setzten nur vier Prozent ihren Traum tatsächlich in die Tat um. Warum ist das so? Aus welchem Grund liegen Wunsch und Wirklichkeit in der Lebensplanung vieler Menschen so weit auseinander? Vielleicht weil Mitarbeiter Angst davor haben, dass ihre Nachfrage nach einer beruflichen Auszeit Konsequenzen auf ihren beruflichen Werdegang hat.

Lieber Arbeitgeber, gib mir Zeit zum Leben

Mitarbeiter gehen lassen, um sie zu binden – das klingt nur auf den ersten Blick paradox. Für Konzerne und Mittelständler sind mehrmonatige Auszeiten vom Job mittlerweile aber ein wichtiges Instrument der Personalführung. Im steigenden Wettbewerb um Fachkräfte nehmen Unternehmen immer häufiger den zusätzlichen Aufwand auf sich, denn sie wissen: Wollen sie qualifiziertes Personal anlocken und halten, müssen sie solche Benefits anbieten. Sabbaticals stehen dabei weit oben auf der Liste. Fast jeder dritte Berufstätige beschäftigt sich aktiv mit dem Thema Sabbatical, ergab die Studie des Karrierenetzwerks Xing im letzten Jahr. Besonders Führungskräfte verspüren laut einer Umfrage der Personalberatung Heidrick & Struggles und dem Handelsblatt den Wunsch nach einer solchen Lebensphase.

Arbeitspsychologin Leila Gisin erklärt, dass die „neue Arbeitswelt heute vom ‚Arbeitskraft-Unternehmer‘ spricht.“ Das heißt, dass sich Arbeitnehmende selber managen müssen. Und die neuen Möglichkeiten in der Arbeitswelt, wie zum Beispiel Teilzeitmodelle, Homeoffice oder Sabbaticals ermöglichen es den Menschen, ihren eigenen Weg zu gehen. Meistens ist der Grund für ein Sabbatical nicht nur, mal abzuschalten, sondern sich aktiv eine Pause im Alltags- und Jobstress zu nehmen. Dabei handelt es sich in der Regel um eine drei- bis zwölf-monatige Unterbrechung des Berufsalltags.

Wofür möchten die Deutschen die gewonnene freie Zeit nutzen?

Für jeden Zweiten steht die geistige und körperliche Erholung an erster Stelle, dicht gefolgt von 42 Prozent der Befragten, die den Sabbatzeitraum für eine Fernreise nutzen möchten. Aus- und Weiterbildung spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Fast ein Drittel der Deutschen nutzt den unbezahlten Urlaub produktiv für die eigene Weiterentwicklung. Dabei ist dieser Aspekt für Frauen wichtiger als für Männer. Manchmal ist der Sabbatical-Wunsch auch eher aus Not und Fürsorge motiviert: Immerhin rund zwölf Prozent der Berufstätigen nehmen sich eine Auszeit, um sie für die private Pflege von Angehörigen zu nutzen.

Die Berlinerin Andrea Oder hilft als Sabbatical-Coach Unternehmen und ihren Beschäftigten dabei, die Sabbatzeiten umzusetzen. Im Interview mit der Wirtschaftswoche sagte Sie: „Gerade für junge Absolventen ist der Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit sehr wichtig. Die Lebensarbeitszeit steigt, deshalb nimmt auch das Bedürfnis nach zwischenzeitlichen Pausen zu“, sagt Oder. „Wer das anbietet, steigert seine Attraktivität als Arbeitgeber deutlich. Und der Aufwand ist wesentlich geringer, als viele befürchten.“

„Die neue Generation erwartet einfach eine gewisse Flexibilität“

Bei McKinsey hat sich das Sabbatical-Konzept fest etabliert. Bis zu drei Monate können Berater dort jedes Jahr frei nehmen. „Wir müssen das anbieten – die neue Generation erwartet einfach eine gewisse Flexibilität“, sagt Recruiting-Chefin Nadja Peters im Interview mit dem Handelsblatt. Die Planung sei unkompliziert: Zweimal im Jahr melden Mitarbeiter per Mail an, wenn sie eine Auszeit nehmen möchten. Anschließend wird koordiniert, wer wann weg ist. McKinsey hat dabei einen entscheidenden Vorteil – den Arbeitsrhythmus der Unternehmensberater. Sie sitzen an Projekten, die im Schnitt nach zwei bis drei Monaten zu Ende sind. So ist eine Unterbrechung kein Problem. Zudem ist der Personalstamm groß genug, dass andere Berater die nächsten Projekte übernehmen können.

Schwieriger ist es für Betriebe, die mit wenigen Spezialisten arbeiten. Sie müssen die Auszeiten so planen, dass es mit den internen Abläufen passt. Bei BMW zum Beispiel stimmen Führungskräfte und Mitarbeiter gemeinsam ab, welche Termine abzudecken sind und wann eine Auszeit möglich ist. Jürgen Lipp, Leiter des Fachbereichs Arbeitszeit, erläutert im Interview mit der Wirtschaftswoche. „Ein Projektleiter kann sich natürlich nicht spontan vor einem Produktionsstart oder wichtigen Aufgaben in die Welt verabschieden. Der Schlüssel ist die vorausschauende Planung.“ Entscheidend sei, die Aufgaben im Team so zu organisieren, dass niemand überlastet werde. Zusätzlich müsse man deshalb weitere Angebote wie mobiles Arbeiten nutzen. Dann könne die ganze Abteilung davon profitieren.

Auch Unternehmen profitieren vom Sabbatical

Aktuell scheitert trotz einiger weniger Vorreiter-Unternehmen die Umsetzung der Sabbatical-Wünsche vieler Arbeitnehmer noch an den Arbeitgebern. Laut Ergebnissen der Xing-Studie ist es in rund einem Fünftel der Unternehmen schlichtweg nicht möglich, eine Auszeit zu nehmen.

Ob dies für Unternehmen erstrebenswert ist, bleibt fraglich. Denn neben Gehalt, Dienstwagen und Aufstiegsmöglichkeiten ist der Faktor Zeit heute für viele Arbeitnehmer wichtiger denn je. Work-Life-Balance, Elternzeit, Pflegezeit oder Sabbatical: Wer für Bewerber attraktiv sein will oder es für seine Leistungsträger bleiben möchte, sollte umdenken. Ist es im ersten Schritt nicht möglich eine mehrmonatige Auszeit anzubieten, können auch kürzere Auszeiten der erste Schritt sein.

Wer flexible Zeitmodelle anbietet, punktet am Ende bei der Mitarbeiterbindung. Und sind die Arbeitnehmer erst einmal zurück, sind 80 Prozent glücklicher als vorher, so die Zahlen einer Viking-Studie. 68 Prozent verspürten mehr Energie und fast ebenso viele fühlten sich weniger gestresst. Von dieser neu gewonnen Ausgeglichenheit profitieren dann am Ende auch die Unternehmen.

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Tatjana Erhardt
Tatjana Erhardt

Ist Geschäftsführerin bei nextexitfuture. Generalistin mit Schwerpunkt Veränderungsmanagement, Strategieberaterin, Coach für Hochbegabte / Hochsensible, langjährige Führungs- und Vorstandserfahrung

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