DER MEGATREND NEW WORK

Geschrieben von Ina Schlie

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka hat am 19. Februar 2018 in Berlin das Wissenschaftsjahr 2018 mit dem Schwerpunkt „Arbeitswelten der Zukunft“ eröffnet. Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass die aktuelle Debatte über die massiven Veränderungen in der Arbeitswelt mitten in der Gesellschaft angekommen ist, dort diskutiert wird und auch werden muss.[1]

 

Die Gründe für den Strukturwandel in der Arbeitswelt sind vielfältig. Neben der Globalisierung sind vor allem zwei technologische Megatrends für einige der großen Weichenstellungen in Gegenwart und Zukunft verantwortlich:

  1. Digitalisierung, digitale Vernetzung und Big Data: Sie führen dazu, dass Informationen überall und in bisher ungesehener Geschwindigkeit entstehen, zur Verfügung gestellt und bearbeitet werden können. Geschäftsmodelle, Arbeits-, Fertigungs- und Entwicklungsprozesse verändern sich entsprechend und müssen den neuen Anforderungen gerecht werden.
  2. Robotik und Künstliche Intelligenz: Bedingt durch die sogenannte Mooresche Gesetz (Moore’s Law) hat sich die Rechenleistung von Prozessoren in den letzten Jahrzehnten massiv erhöht – bis heute alle 18 bis 24 Monate sogar verdoppelt. Die enorm gestiegenen Rechenkapazitäten haben dazu geführt, dass Computer – ähnlich dem Menschen – Probleme lösen können, durch künstliche Intelligenz selbst lernen und sich eigenständig optimieren können.

Diese tiefgreifenden Veränderungen wirken sich unmittelbar auf die Gesellschaft aus und führen zum Wandel von einer Industrie- zu einer Wissensgesellschaft. „Jedes Unternehmen wird zum Software-Unternehmen – und jeder Mitarbeiter zum Knowledge Worker,“ so wird es in Digital Workforce: Mitarbeiter werden zu Daten-Experten beschrieben.

 

Aber was genau ist New Work?

In der Unternehmensrealität und bei den Vorreitern im Bereich New Work finden sich die unterschiedlichsten Ausprägungen von New Work – nachfolgend einige der relevantesten Themen:

 

  • Arbeitswelten 4.0 und Kollaboration: „Unternehmen nutzen die Umgestaltung der physischen Arbeitsumgebung symbolhaft für die Umgestaltung ihrer gesamten Arbeitsweise.“ Dies reicht von der Umgestaltung der Büros mit Elementen, die Kreativität und Entspannung fördern, bis hin zu flexiblen Arbeitsorten und Arbeitszeiten und der Möglichkeit, in virtuellen Teams zu arbeiten. Auch verstärkte Kollaboration – eine intensive, schnelle und globale Zusammenarbeit – ist ein wesentliches Element dieser neuen Arbeitswelten.[2]
  • Work-Life-Blending: Der Trend des Work-Life-Blending beschreibt, wie die Grenzen zwischen Privatem und Beruflichem immer mehr verschwimmen. Das Zukunftsinstitut beschreibt das Konzept umfassend mit folgenden Worten: „Die kluge Verbindung von Privat- und Berufsleben, z. B. durch Home-Office-Modelle und Mobile-Office-Lösungen, wird zur großen Aufgabe der kommenden Jahre, statt weiterhin krampfhaft den Spagat zwischen zwei scheinbar trennbaren Welten zu versuchen.“[3]
  • Neue Arbeits- und Vertragsmodelle: Bedingt durch die Digitalisierung und den Wunsch nach mehr Flexibilität, wird der klassische Arbeitsvertrag ergänzt durch neue, offenere Formen der Zusammenarbeit. Projekte und Interimsmanagement treten in den Vordergrund und neue Freelance-Modelle kehren in die Unternehmensrealität ein. Sogenannte Cloudworker oder Crowdworker erbringen Dienstleistungen aus der Cloud heraus und stellen in Gänze eine sogenannte Liquid Workforce.[4]
  • Leadership 2.0 und neue Organisationsstrukturen: Die neue Arbeitswelt bringt auch eine veränderte Führungskultur mit sich. Flache Hierarchien ersetzen eine unnahbare Führungskultur, Mitspracherecht dominiert vorgegebene Entscheidungen, eine demokratische und empathische Unternehmenskultur lässt auch Querdenker zu. Für Führungskräfte führt dies zu einem neuen Führungsverhalten, das Mitarbeiter deutlich mehr in Entscheidungen einbezieht. Auch die flexibleren Arbeitszeiten und -orte und die heterogenere Zusammensetzung von Teams bringen neue Anforderungen an Führung mit sich.

 

Wie setzen Unternehmen New Work am besten um?

Für die Entscheider in Unternehmen wird es immer zentraler, die richtigen Rahmenbedingungen für einen solchen Kulturwandel zu schaffen und diesem im Sinne des „tone from the top“ auch selbst vorzuleben. Dabei gibt es keine Standardlösungen. Jedes Unternehmen muss Räume für Experimente schaffen, um neue Formen und Arrangements von Arbeit zu testen, in denen sich die Wissensarbeiter der Zukunft wohlfühlen, kreativ arbeiten können und in denen vorhandenes oder externes Know-how bestmöglich zur Weiterentwicklung des Unternehmens eingesetzt werden kann.

 

[1] Arbeit wandelt sich – geht aber nicht aus, https://www.bmbf.de/de/arbeit-wandelt-sich—geht-aber-nicht-aus-5652.html

[2] Megatrend New Work, https://www.zukunftsinstitut.de/dossier/megatrend-new-work/

[3] Wie sieht der perfekte New Work Arbeitsplatz aus? https://newworkblog.de/2017/11/29/wie-sieht-der-perfekte-new-work-arbeitsplatz-aus/

[4] Prof. Dr. Christian Scholz und Dr. Stefanie Müller: Zukunft der Arbeit: Cloudworker – ein Modell mit Risiken und Nebenwirkungen (16.07.2014), https://www.computerwoche.de/a/cloudworker-ein-modell-mit-risiken-und-nebenwirkungen,3063439

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Ina Schlie
Ina Schlie

Ist Investorin bei nextexitfuture und Aufsichtsrätin bei Würth-Gruppe und QSC AG

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